Planhaus Berlin baut Villen, also besondere Häuser, die sich im Erscheinungsbild und in ihrer grundlegenden Konzeption an Häuser ausgewählter baugeschichtlicher Epochen anlehnen (Klassizismus, Neo-Klassizismus, Gründerzeit, Bauhaus) und zugleich modernsten Anforderungen an Grundrissgestaltung und technische Ausrüstung gerecht werden.
Doch: Ab wann ist ein Haus eine Villa? Eine Villa ist ursprünglich ein “vornehmes Haus”. Diese Begriffdefinition kann sicher bis heute gelten, denn noch immer gilt eine Villa als repräsentativer Wohnbau, als steingewordener Ausdruck einer ganz bestimmten gesellschaftlich, wie finanziell, höher gestellten Wohnkultur.
Dass der Begriff aus dem Lateinischen stammt und dort soviel wie “Landhaus” heißt, sollte nicht weiter irritieren, denn die Verwendung des Begriffs Villa geht geschichtlich weit zurück.
Zum heutigen Verständnis muss man ins 15. und 16. Jahrhundert zurück blicken, als in Italien der Villenbau neu erblühte und diese Häuser in einer Art und Weise gebaut wurden, die bis in die heutige Bau- und Wohnkultur hinein wirkt. Als der Meister aus dieser Zeit ist Andrea Palladio anzusehen, den auch wir verehren, immer wieder studieren und zitieren (siehe auch Neubau-Villen nach Palldadio)
Hier nebenstehend sehen Sie die wohl berühmteste Palladio-Villa “La Rotonda” in Vicenza, die Vorbild für unzählige Entwürfe repräsentativer Häuser war und den Höhepunkt des Schaffens von Andrea Palladio darstellt, auch wenn wir selbst mehr seine früheren Entwürfe bevorzugen.
Doch ursprünglich geht der Begriff Villa und der Villenbau noch viel weiter zurück. Schon in der Antike wurden Villen gebaut, seinerzeit natürlich nur für eine ganz ausgesuchte Bevölkerungsschicht, die man schon fast nicht mehr als solche bezeichnen kann. Villen in der Antike und später auch im Römischen Reich waren nur den Reichsten und politischen Herrschern vorbehalten.
Bei genauerer Betrachtung ist die Geschichte der Villa ein Spiegel gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen – was nun auch nicht verwundert, denn, wie sollte es anders sein.
Ein weiterer Höhepunkt beim Villenbau ist nämlich das späte 19. Jahrhundert, die Gründerzeit, auslaufend bis hin zum frühen 20. Jahrhundert.
Mit der Industrialisierung der Wirtschaft ging auch eine Demokratisierung der Gesellschaft einher. Es entstanden neue Einkommen und Vermögen und so auch der Bedarf an Häusern, die diese widerspiegelten. Jedermann bekannt sind sicher die Villen der “Industriekapitäne”, der großen Familien aus dieser Zeit, die bis heute ein Inbegriff außergewöhnlichen Wohnens sind, auch wenn man bei genauem Hinsehen und aus architektonischer Sicht stark differenzieren muss. Geprägt hat diese Zeit die Villa als solches nämlich nicht – wie dereinst z.B. Andrea Palladio im 16. Jahrhundert -, sondern lediglich aufgenommen, was bereits da war. Und das manchmal mehr schlecht (oder besser schlicht) als recht.
Die Bürgerhäuser aus der Gründerzeit sieht man heute jedoch noch überall – und diese Zeit prägt dann wohl auch zu einem Teil den heutigen Begriff einer Villa. In dieser Zeit kamen breitere gesellschaftliche Schichten zu Wohlstand und drückten diesen im Bau ihrer eigenen Wohnhäuser aus. Rechtsanwälte, Ärzte, Ingenieure und andere gebildete und gut verdienende Berufsgruppen bauten diese Gründerzeit-Villen, die nicht mehr so mondän, so groß und ausladend waren und sind, wie noch ein paar Jahre zuvor. Auch gab es “Unarten” der Grundrissgestaltung, die man heute nicht mehr mag und die wir bei Sanierungen mit einigem Geschick wieder korrigieren müssen. Aber, ein paar”Geheimnisse” möchten wir für uns behalten…
Etwas später, mit einem Höhepunkt in den 1920er-1940er-Jahren, gab es noch einmal eine entscheidende Wandlung im Villenbau. Was heute als Begriff der Individualisierung bekannt ist, drückte sich seinerzeit schon im Bau großer Wohnhäuser aus. Die Schwierigkeit, diese Häuser als Villa zu bezeichnen, hat mit genau dieser Veränderung zu tun. Diese Häuser waren viel mehr auf die Nutzung und die gestiegenen Freizeitbedürfnisse seiner Bewohner ausgerichtet, als auf die Repräsentation nach Außen – ohne, dass man sie deshalb als schlicht bezeichnen könnte oder müsste.
Richard Neutra ist ein Meister dieser Zeit und hat Wohnhäuser entworfen und gebaut, die noch heute nicht nur beeindrucken, sondern vom Laien durchaus als aktuellste Entwürfe wahrgenommen werden könnten. Auch Frank Lloyd Wright hatte von etwa 1900 – 1940 einige bahnbrechende Wohnhäuser gebaut, bei deren Anblick und Studium einem heute noch der Mund vor Staunen offen stehen bleibt. Weitere unbedingt zu nennende Meister sind Le Corbusier und in etwas abgemildeter Form Mies van der Rohe.
Die nebenstehende Villa Savoye von Le Corbusier kann als Höhepunkt des Schaffens dieses berühmten Künstlers angesehen werden und wurde unter Denkmalschutz gestellt, als Le Corbusier noch lebte! Das “Wochenendhaus” -als solches wurde es beauftragt und entworfen – entstand von 1928 – 1931 und ist so reich an wegweisenden Ideen, das wir in einem eigenen Artikel darauf eingehen werden.
Das Bauhaus ist der große Begriff, der sich architektonisch mit dieser Zeit verbindet – ohne dass er das beschreibt, was wir oben meinen. Doch war das Bauhaus vielschichtiger, als man es heute manchmal wahrnimmt. Bauhaus nur auf Reduzierung zu reduzieren, wäre nämlich auch zu wenig. Der Bauhaus-Einfluss im privaten Wohnungs- und Villenbau beschränkt sich im Wesentlichen auch auf die äußere Gestaltung oder Designformen.
Seit dem hat sich im Grunde nicht mehr viel getan in der (Wohn-) Architektur. Das klingt ein wenig ungerecht, ist es vielleicht auch. Aber von da an wurde im wesentlichen zitiert oder zurück besonnen. Betrachtet man den zeitlichen Zusammenhang, verwundert das auch nicht weiter, den wir reden über einen vergleichweise kurzen Zeitraum, geschichtlich gesehen. Fortschritte gab es im technischen Bereich, aber Auswirkungen auf die Architektur hatte das bis heute nicht wesentlich, wenn es auch beeindruckt, was hier und da errichtet wurde.
Alles, was Sie heute sehen, kennen und vielleicht bewundern geht auf diese hier in einem kurzen Abriss geschilderten Entwicklungen und die Baumeister ihrer Zeit zurück.
Deshalb und weil wir selbst so beeindruckt sind, zitiert Planhaus Berlin diese Meister und Elemente im Haus – bzw. Villenbau.
Ein Designer, der uns noch einmal beeinflusst hat, ist Philippe Starck. Starck hat sich zwar mehr mit “Alltags-Design” hervorgetan, als in der Architektur, aber in einer Weise, die uns manche Anregung mitgegeben und uns über Vieles hat nachdenken lassen. Soweit sich das in konkreten Entwürfen niederschlägt, werden wir das dort in der Beschreibung erwähnen.
Quellenangaben:
Das Foto der La Rotonda stammt von Ottonera auf fotolia.de. Alle Rechte liegen dort.
Das Foto der Villa Savoye stammt von Francesco Nogueira auf fotolia.de. Alle Rechte liegen dort.

